Mittwoch, 20. März 2013

Buchvorstellung: "Wallace - Der Freiheit alleine" (von E.G. Spitzer)

Dieses Mal möchte ich euch ein Buch vorstellen, das es mir ganz besonders angetan hat: "Wallace - Der Freiheit allein" von E.G. Spitzer ist ein eine Roman-Trilogie über den schottischen Freiheitskämpfer William Wallace, auch bekannt unter dem Namen "Braveheart". Spätestens seit dem gleichnamigen Film "Braveheart" hat mich seine Geschichte gepackt und nicht mehr wieder losgelassen. Er zählt zu meinen liebsten historischen Helden und ich bewundere ihn sehr - und das obwohl ich nicht mal selbst Schotte bin, oder je in Schottland gewesen bin. Aber seine Geschichte ist einfach so faszinierend, so das man einfach nicht von ihm ablassen kann. Und genau darum geht es in diesem Buch.


(Buchcover / Quelle: Google)

Schottland Ende des 13. Jahrhunderts. Das Land muss ohne König auskommen und Englands König Edward I. ("The Longshanks") beansprucht es für sich. Fortan beginnt eine Schreckensherrschaft, und die englischen Heerscharen rauben, morden, brandschatzen und vergewaltigen ohne Ende. In genau dieser Zeit wächst ein gewisser William Wallace in seiner Heimat Ellerslie auf, wo er zusammen mit seinen Brüdern John und Malcolm sowie seiner geliebten Frau Marion Braidfute lebt, die ein Kind von ihm erwartet. William ist ein kluger, gebildeter Mann, der sich viel mit Literatur aller Art beschäftigt und ja eigentlich Priester werden soll. Eigentlich. Wären da nicht die bösartigen Engländer, welche die Schotten mit aller Macht unterdrücken. Dann überfallen die englischen Besatzer eines Tages auch noch sein Heim, Ellerslie, verletzen seinen Bruder John schwer und töten seine schwangere Frau Marion. William ist außer sich vor Wut und Trauer.
 Und er beschließt mit einem Male: Schottland muss frei sein! Von einem Tag auf den anderen beginnt Williams furioser Sturmlauf gegen die Engländer, welchen ihn so berühmt gemacht hat. 


(Quelle: DeviantArt)

Was mir an diesem Buch total gut gefällt ist, sind die vielen historischen Details, an die sich brav gehalten wurden. Das hat Mel Gibsons Film "Braveheart" ja nicht wirklich geschafft, und das, obwohl der Film ja eigentlich gut ist und zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Im Buch ist das ganz ganz anders, und was ich ebenfalls loben muss ist, das Williams Geschichte aus der Sicht von John Wallace, seinem jüngeren Bruder, erzählt wird. Ich finde es schön, das John dabei ist, denn so ist William nicht ganz alleine und er hat mindestens ein Familienmitglied um sich. Außerdem hält John William meistens davon ab, eine Dummheit zu begehen und er protestiert auch oft gegen seinen hitzköpfigen Bruder, der manchmal kaum zu stoppen ist. Während wiederum William hingegen oft versucht John von den Kämpfen so gut es geht fernzuhalten, da dessen rechter Arm nicht mehr wirklich zu gebrauchen ist und William sich immerzu große Sorgen um ihn macht. Nur ganz langsam begreift William, wie wichtig es ist, das John ihn begleitet - und übergibt ihm Stück für Stück wichtige, wenn auch kleinere Aufgaben. Den Unterschied zu den Brüdern merkt man beständig, denn John ist oft etwas sensibler, während William seine wahren Gefühle gerne mal vor anderen versteckt - weshalb er dann dafür bei den Kämpfen umso mehr ausrastet und sich nicht mehr bremsen kann.
Ebenso erwähnenswert sind die vielen schottischen Sprüche, welche die Autorin im gleichen Satz auf Deutsch übersetzt hat. So lernt man nebenbei auch noch ein bisschen schottisch, was in "Braveheart" ja so gut wie gar nicht vorkam. Manches mal gibt es durchaus Kapitel, in denen weniger passiert als in den übrigen, doch das finde ich ganz gut so - auch ein William Wallace muss sich mal ausruhen können, denn wenn er dies nicht gerade tut, ist er entweder rasend vor Wut und macht die schottischen Clanführer zur Schnecke, da sich diese damals stark unter dem Einfluss der Engländer befanden und sich nichts von Wallace sagen ließen. Zudem kommen viele historische Persönlichkeiten vor, wie z.B. ein Earl Of Mar (ein schottischer Adelstitel, den es tatsächlich gab) oder aber der zwielichtige Sir Robert the Bruce, der spätere König der Schotten (von dem ich immer noch nicht weiß ob ich ihn mögen soll oder nicht). 


(Quelle: Mel Gibsons "Braveheart")

Beim Lesen sind mir natürlich sofort die historischen Unterschiede zum Film aufgefallen. So in etwa tragen die Schotten in "Braveheart" Kilts, obwohl diese erst ab dem 16. Jahrhundert verfügbar waren und die Schotten sich im 13. Jahrhundert gar keine leisten konnten, weil sie zu arm dafür waren. Das Einzige wovon ständig gesprochen wird sind die berühmten Plaids, das sie überall mit sich herum tragen (und ich schon darauf warte, dass die von John und William sich irgendwann mal auflösen.) - schon mal der erste Fehler. Dann die Tatsache, dass im Film eine Prinzessin Isabella auftaucht, welche zwangsweise mit dem Prinzen Edward II. verheiratet wurde (Edward I. unfähiger Sohn), wobei diese zur Zeit von Wallace noch nicht einmal geboren war. 
Ein weiterer Punkt wäre dann Wallaces Befreiungsplan: im Film wird die strategisch wichtige Stadt York von den Schotten erobert. Im Buch war bis jetzt noch keine Rede davon und ich bezweifle langsam, ob das überhaupt historisch korrekt ist. Denn im Roman werden noch ganz viele andere Burgen erobert, um die Highlands von den Engländern frei zu bekommen. 
Was mich in "Braveheart" ganz besonders wurmt, ist die Schlacht von Stirling Bridge. Diese wird dort nämlich auf einer Wiese dargestellt, nicht aber auf einer Brücke, so wie es in Wirklichkeit war. Und ich war so froh, habe fast geheult beim Lesen vor Freude, als diese endlich mal von jemandem auf einer Brücke dargestellt wurde. Endlich! 


(Quelle: Google / Schlacht von Stirling Bridge)

Und das ist der Punkt, an dem ich mich immer frage: warum - warum schaffen es Produzenten nicht, einen scheinbar so einfachen historischen Stoff nicht 1:1 zu kopieren und ihn nach realen Tatsachen darzustellen, so wie es sich gehört? Durch meine weiteren Recherchen bin ich dann aber dennoch froh gewesen, das sie nicht alles in den Film gepackt haben, was Wallace in Wirklichkeit alles angestellt hat. Im Film ist er ja nahezu handzahm und weniger brutal, als er es in echt war. Versteht mich nicht falsch: ich liebe den Film, ich mag Mel Gibsons Darstellung, aber es fehlen eben wichtige historische Punkte, die den Film noch besser gemacht und ihn weiter ausgestattet hätten. Es hätte mich nicht gestört, wenn sie einige Punkte geändert hätten (z.B. die Schlacht von Stirling), aber nichts desto trotz unterhält der Film dennoch. Vor allem Mel Gibson kann man dort als langhaarigen, stets schmutzigen und blutbeschmierten William Wallace bewundern. 


Das Buch ist sehr empfehlenswert und ich bin schon gespannt darauf wie es weiter gehen wird. Denn so viel weiß man über Wallace gar nicht, denn ich kann mir vorstellen das viel dafür getan wurde, das er für immer aus der Geschichte verschwindet. Ist er aber nicht. Und ich bin sehr froh darüber, dass diese tolle Romanreihe geschrieben wurde! Inzwischen ist mir auch sein Bruder John sehr ans Herz gewachsen und ich mag die ganzen anderen Figuren, wie z.B. Johns Ja-nein-dann-aber-doch-Freundin Margaret, der humorvolle Heiler Sir Thomas the Rhymer, und der zwielichtige Sir Robert the Bruce, über den ich noch nicht wirklich weiß was ich denken soll. Dank den liebenswert und genau dargestellten Figuren ist man schnell in der Geschichte drin und die Kapitel sind sehr abwechslungsreich und spannend geschrieben. Die Kämpfe sind rasant, zornig und brutal, und immer mehr Leute schließen sich Wallace nach und nach an. Es wird noch zwei Bücher lang dauern bis ich zu seinem traurigen Ende komme, aber ich lese es gerne. Auch wenn ich befürchte, das ich bei seiner Hinrichtung weinen werde. Sehr viel weinen werde.

Auf alle Fälle kann ich nur sagen: lesen! Es lohnt sich wirklich, wenn man mal etwas Genaueres haben will als "Braveheart". Einfach nur empfehlenswert!


(Quelle: Google / William Wallace Statue in Schottland)


(Quelle: Google / Alle Cover der Roman-Trilogie.)

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